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Stadtgeschichte


(nach den Aufzeichnungen von Alfréd Koch, Chronist in Zeidler in der ersten Hälfte des 20. Jh.)

Die Gemeinde Brtníky (Zeidler) gehört zu den ältesten Siedlungen im Schluckenauer Zipfel. Eine der in der Oberlausitzer Kirchengalerie überlieferten Eintragung besagt, dass schon 1084 der niederlausitzer Markgraf Wipprecht von Greitsch viele Deutsche aus Thüringen und Franken nach Böhmen umsiedelte. So entstanden im früheren Herrschaftsgebiet von Hainspach viele Siedlungen (Lipová - Hainspach, Mikulášovice - Nixdorf, Lobendava - Lobendau), zu denen auch Brtníky (Zeidler) gehört.

Wie die neusten archäologischen Funde am Brtnický potok (Zeidlerbach) beweisen, stammt die Siedlung schon aus der Steinzeit dem Neolit. Das zeigen die vielen bearbeiteten Steine, die dort gefunden wurden.

Aus der Slawenzeit fehlen Informationen über die Siedlung. Im Mittelalter gehörte das gesamte Gebiet um Šluknov (Schluckenau), Lipová (Hainspach) und die Burg Tolštejn (Tollenstein) den Herren von Berka. Ihnen folgten die Herren von Schleinitz, Salm-Reifferscheidt. Unter Peter Berka wurde die Gemeinde 1116 schon schriftlich erwähnt. Es steht geschrieben, dass Peter Berka zwischen Plesný (Plissenberg) und Vlčí hora (Wolfsberg) eine große Imkerei/Zeidlerei gründete, die er Zeidelweide nannte. Den Imker, der sich um die Bienenstöcke und das Bienenvolk kümmerte, nannte man Zeidler, Bienenvater Bienenweide. Daher stammt der deutsche Name für die Siedlung Zeidler. Nach dem Zweiten Weltkrieg, nach der Vertreibung der deutschen Bewohner, wurde der Gemeinde ein ähnlicher Name zugeteilt Brtníky.

Von 1140 1146 findet man Aufzeichnungen über den Bau einer Kapelle nach kanonischem Recht. Laut der Quellen wurde im Jahr 1240 die erste Holzkirche erbaut.

Im Mittelalter entstanden unter der Herrschaft derer von Berka in den umliegenden Felsgebieten einige Wachburgen. Zu ihnen gehört auch die Burg Brtnický hradek (Räuberschloss), die heute ein Anziehungspunkt für viele Touristen ist. Die Mannschaft der Burgen wachten über die Handelswege und später über die in den tiefen Wäldern entstehenden Glasbläsereröfen. Eine weitere Art, seinen Lebensunterhalt zu verdienen, zeigen Reste von Pechhütten und Kohlemeilern zur Gewinnung von Holzkohle.

Während der Husitenkriege versteckten sich die Einwohner von Brtníky (Zeidler) vor den plündernden Soldaten in den Wäldern. Aus dieser Zeit stammt der Taufstein im Wald unweit der Gemeinde. Schriftliche Erwähnungen über ihn stammen schon aus dem Jahr 1423. Er wurde viele Jahrhunderte zu religiösen Zwecken genutzt. In der Nähe befindet sich auch ein in Stein gehauener Altar.

 

Aus dem Jahr 1579 stammt die erste Erwähnung über eine Schule in Brtníky (Zeidler).

Im Jahre 1642 brach das schwedische Heer über Brtníky (Zeidler) herein. Auf dem Weg in die Gemeinde Panský (Herrenwalde) wurde der harmlose Gärtner Engel gefangen genommen und als angeblicher Spion zur Warnung gevierteilt. An der Stelle, wo er später durch Bewohner begraben wurde, erinnert bis heute ein schlichtes Kreuz an die Greultat.

Während des Dreißigjährigen Krieges aber auch später während des 7jährigen Krieges (1756) und während des österreichisch-preußischen Krieges versteckte sich die damalige Bevölkerung in einem nahegelegenen großen Felsüberhang mit der Bezeichnung Velký pruský tabor (Großes Preußenlager) - heute führt der grüne Wanderweg dorthin.

Die Pestsäule stammt von 1682. In dieser Zeit kam ein Großteil der Bewohner der Gemeinde um. Heute findet man die Säule eingebaut in der Ecke einer Garage am grünen Wanderweg von Brtníky (Zeidler) zum Schloss Šternberk (Sternberg), wohin sie der Fabrikant Klinger nach deren Fund im Laufe der Bauarbeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts umsetzte. Andere Quellen besagen, dass es sich um die Säule der Hl. Dreifaltigkeit handelt, die 1682 von der Bruderschaft der Hl. Dreifaltigkeit in Auftrag gegeben wurde. Anliegen dieser Bruderschaft war die Aufrechterhaltung der katholischen Bräuche in der Reformationszeit.

Im Zentrum der Gemeinde stand die schöne Barockkirche der Hl. Martin, erbaut von 1714 bis 1717. Eine Besonderheit bildete deren achteckiger Turm. Zu dieser Zeit hatte die Gemeinde 1200 Einwohner, die beim Aufbau der Kirche mithalfen. Nach 1945 verfiel die Kirche und wurde 1975 auf Befehl des KSČ abgerissen.

In der Nähe der Kirche am Kreuzweg stand das historische Preußenhaus. Dieser einzigartige Holzbau stammte von 1600 und war schon zu Beginn des 20. Jh. denkmalgeschützt. Leider ereilte das Haus das gleiche Schicksal wie viele Denkmäler in der Nachkriegszeit, es wurde zur Brennstoffgewinnung zerlegt. Ein Modell ist im Dresdner Museum für Völkerkunde erhalten geblieben und der Nationalpark bemüht sich um den Wiederaufbau einer Replik am ursprünglichen Platz, dass als Besucherzentrum dienen soll.

Zum heutigen Brtníky (Zeidler) gehört die Gemeinde Kopec (früher Hemmehübel). Tradition hatte hier das Glockengießerhandwerk in der Nr. 36. Von hier stammte der berühmte Glockengießer Zachariás Dittrich, der 1740 nach Prag ging, wo er berühmt wurde.

1768 wurde an der Stelle der ehemaligen Windmühle (Mühlenberg, heute Křížový vrch - Kreuzberg) durch die Bruderschaft der Hl. Dreifaltigkeit eine Kapelle errichtet. 1801 wurde der Kreuzweg gebaut. Nach 1945 wurde der Kreuzweg zerstört und die Kapelle verfiel. Dank einiger beherzter Einwohner, Bauern und später dank der Initiative des Gemeindeamtes Staré Křečany (Altehrenberg) wurde die Kapelle der Hl. Dreifaltigkeit, die Kapelle des Gottesgrabes und der Kreuzweg Ende der 90er Jahre des 20. Jahrhunderts erneuert und restauriert.

Im Jahre 1771 gab der Graf F. V. Salm-Reifferscheid für seine Frau Gräfin aus Sternberg in den Wäldern nahe Zeidler das Schloss Šternberk (Sternberg) erbauen. Das ursprüngliche Jagdschloss war für lange Zeit Ziel der Besucher von Brtníky (Zeidler). Das staatliche Unternehmen Česká pošta, in dessen Eigentum sich das Schloss bis Ende der 90er Jahre des 20. Jh. befand, nahm dieses Kulturdenkmal in Staatsschutz paradoxerweise ließ sie es nach vorheriger Renovierung im Jahre 1995 abreißen.

1839 gründete Johan Klinger in Brtníky (Zeidler) die traditionelle Strickindustrie. Die Strickprodukte höchster Qualität, produziert von der Familie Klinger in Brtníky (Zeidler), Mikulašovice (Nixdorf), Křečany (Ehrenberg) aber auch in Wien, waren in ganz Europa bekannt. Brtníky (Zeidler) erlebte in der Zeit einen ungeahnten Aufstieg und hatte über 3000 Einwohner. Ein italienisches Bauunternehmen baute im 20. Jahrhundert die Eisenbanstrecke, die sogenannte Nordböhmische Industriebahn. In der Gemeinde gab es drei große Fabriken und außerdem war es ein häufig besuchter Ferienort, so dass viele der damaligen Bewohner Arbeit hatten.

 

Nach 1945 kam es zu einem vollständigen Austausch der Bevölkerung. Die ursprünglich deutsche Bevölkerung wurde vertrieben und gegen die verschiedensten Bevölkerungsschichten aus verschiedenen Regionen der Tschechoslowakei ersetzt. Viele Häuser blieben leer. Die Zeit nach 1948 ist bekannt für den allseitigen Verfall von Brtníky (Zeidler). Schrittweise verschwand alle Produktion und andere Gewerbetreibende. Die Schule verschwand. Die Bevölkerungszahl ging bis auf heute 261 zurück. In der Gemeinde Kopec (Hemmehübel) gibt es noch 7 Einwohner. Nach 1945 wurden schrittweise mehr als 100 Häuser eingerissen, einschließlich wertvoller Kulturdenkmäler und zwei großer Fabriken. Selbst zu Kriegszeiten und zu Zeiten der Pestepedemie hatte die Gemeinde mehr Einwohner als nach 40jähriger Kommunistenherrrschaft.

Heute, zu Beginn des 3. Jahrtausends ist Brtníky (Zeidler) der Ausgangspunkt für Besucher des neuen Nationalparks Böhmische Schweiz. Nach jahrzehntelangem Verfall werden jetzt historische Denkmäler restauriert (Kapelle und Kreuzweg, andere sakrale Denkmäler Betsäulen), viele Häuser, die der Erholung dienen, werden in den ursprünglich schönen Zustand gebracht. Die Gemeinde kehrt wieder zum begehrten Ferienort zurück. Zu den beliebtesten Zielen gehören das malerische Tal des Brtnický potok und Vlčí potok (Zeidler- und Wolfsbaches), das Kirnitzschtal, die Brtnický most (Zeidlerbrücke) oder der Vlčí hora (Wolfsberg) mit dem Aussichtsturm. Im Winter ist ein bekanntes Ziel für Touristen die Brtnické letopady (Zeidler Eisfälle).